44: Von Stanzach nach Stockach

In Kürze: Nach Fast-Zimmerbrand nicht Top-motivierte Slow-Motion-Wanderung mit Massen-Bremsen-Angriff.


Gestern bin ich schon recht erschöpft im Bett gelegen und hab Netflix geschaut. Da hat mich zuerst meine Frau angerufen und noch während wir reden macht es ein ziemlich komisches Geräusch, dann einen Kracher und dann riecht es nach Rauch.


Kurze Panik, fangt es jetzt zu brennen an? Sabine will natürlich auch wissen was da los ist, aber ich hab keine Ahnung. Ich rufe zurück, wenn ich es weiß. Zuerst schaue ich Richtung Vorhang, woher das Geräusch gekommen ist. Aber ich sehe nichts was das klären könnte. Und jetzt riecht es eindeutig verbrannt, aber es brennt nichts.


Ich checke alle meine elektronischen Geräte - alles in Ordnung. Ich schau sogar in mein Jausensackerl, ob da was schon so stark gegärt hat, dass es explodiert ist - auch nichts. Die Lampen brennen auch noch alle - sehr mysteriös. Ich gehe zur Rezeption - da ist natürlich keiner mehr, aber nach einiger Suche findet sich jemand - ich vermute die Ferialpraktikantin.


Sie hat mir auf jeden Fall bestätigt dass es tatsächlich nach Rauch riecht - zumindest leide ich nicht an Sinnestäuschungen. Uns ist dann aufgefallen, dass eine der Neonröhren hinter dem Vorhang nicht mehr richtig in der Halterung steckt. Wahrscheinlich ist sie auf die Vorhangstange gefallen und hat dabei durch die Hitze den Staub verbrannt (sehen wir einmal darüber hinweg, dass dort einiges an Staub gelegen sein muss).


Man hat dann ein bisschen einen leichteren Schlaf, da das Unterbewusstsein darauf achtet, dass man eh nicht abbrennt und so bin ich nicht vollständig Top-motiviert aufgewacht. Ich hab das Ganze noch einmal bei der Rezeption gemeldet und bin kurz vor 9 Uhr losgegangen.



Das erste Stück war zur Abwechslung einmal flach und nach ca. einer dreiviertel Stunde war ich in Vorderhornbach, wo ich gemäß der Wirtenregel mein erstes Getränk zu mir nahm - fängt ja vielleicht doch ganz gut an.


Danach gings natürlich bergauf, aber das zahlt sich aus, denn der Lechweg ist erstens sehr schön und bietet zweitens immer wieder eine gute Aussicht aufs Lechtal. Außerdem ist er ein Bankerl-Paradies. Es gibt nicht nur sehr viele, sondern auch sehr schöne, ...



... wie dieses Beispiel zeigt. Der Blick vom Bankerl hat sich ebenfalls ausgezahlt:



Irgendwie hab ich dann gemerkt, dass ich heute ziemlich langsam bin. Ich dachte, ich bin schon recht weit gegangen, dabei waren es erst 5 km - sind ja nur mehr 20 vor mir. Aber nicht Trübsal blasen- ich mache heute einfach eine Langsam-Wanderung.


Dann hab ich das gesehen:



Im Heute, im Hier und Jetzt leben - das ist ja genau mein Thema! Eine Zeit lang funktioniert das auch ganz gut, aber dann kommt wieder das Gefühl: "Des zaaht si heit, wieder." Zwischen Elmen und Häselgehr ist der Weg-Vorschlag vom Navi noch einmal nach rechts (weg vom Fluss) gegangen. Na gut, also nach rechts. Zu spät hab ich gemerkt, dass er auch noch 150 Höhenmeter hinauf geht (und dann natürlich wieder hinunter). Dafür bin ich auf dem Drachenweg gegangen.



Hab aber keinen gesehen.


In Häselgehr wollte ich eigentlich Mittagessen, aber das einzige Lokal sperrt erst um 17 Uhr auf, wie mir Dr. Google berichtet. Also muss ich weiter bis Elbigenalp. Dort bin ich dann schon recht unentspannt und wie mir der Kellner des scheinbar einzig offenen Gasthauses dann sagt, dass es jetzt keine Küche mehr gibt, ist mein Nervenkostüm schon gefährlich dünn.


Er gibt mir aber den Tipp, dass es noch eine Pizzeria gibt, die offen hat und die Hoffnung kehrt zurück. Ich hab dann in der Pizzeria von halb vier bis halb fünf Mittagspause gemacht und war dann bereit für die letzten 8 km.


Im steilen Lechtal hat sich die Sonne dann schon etwas zurückgezogen und das war offensichtlich das Angriffssignal für alle Bremsen in der Gegend. Ich hatte - ungelogen - durchgehend zwischen 3 und 10 Bremsen um mich herum und hab begonnen rhythmisch um mich zu schlagen. Dabei wurde mir klar, dass so wahrscheinlich der Schuachplattler entstanden ist.


Abgekämpft und mit leerem Insektenspray-Fläschchen bin ich dann im Quartier angekommen.



Dort hab ich jetzt noch eine Kleinigkeit zu mir genommen und werde jetzt aufs Zimmer gehen. Die nächste Etappe geht Richtung Arlberg und wenn alles klappt, erreiche ich morgen Vorarlberg.


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