43: Von Brand über Rauth nach Stanzach

Summary: Wanderung zu den eigenen Wurzeln mit Staudammsirene und Wild-Walddurchquerung.


Nachdem ich in Brand (aber ohne Brand) aufgewacht bin konnte ich mir heute etwas Zeit lassen, da die Etappe in 6 1/2 Stunden machbar ist und das Wetter heute recht angenehm sein sollte.


Eigentlich könnte man meinen, dass ein Weg entlang eines Flusses in Flussrichtung nur bergab geht - ist aber nicht immer so. Meine App hat mir für den Start der Etappe ein kleines Bergerl eingebaut. Ich muss aber zugeben, dass das ein sehr schöner Weg war.



Vom "Berg" ging es dann hinunter nach Rinnen und ich konnte schon das erste Tal sehen, das ich heute durchqueren muss, bevor ich im Lechtal bin.



Nach ca. einer Stunde war ich in Rinnen und eigentlich wollte ich gleich entlang des Rotlechs (in Tirol sind sogar die Flussnamen männlich) ins Tal gehen. Aber dann hab ich das gesehen:



Da geht es tatsächlich nach Rauth - und nur 15 Minuten. Da muss ich hin - das ist ja faktisch mein Ort. Als ich dann vermeintlich dort war, gab es nicht einmal eine Ortstafel, die ich eigentlich unbedingt fotografieren wollte.



Das ist eigentlich schon der ganze Ort: ein Stadl rechts und je ein Haus rechts und links der "Hauptstraße". Na ja, ein kleines Schloss als Familiensitz war da auf jeden Fall keines - dafür ist alles sehr kompakt. Ich hab sicherheitshalber die einzigen Bewohner gefragt, ob das Rauth ist und sie haben schweigend genickt.


Dann hab ich aber einen sehr schönen (Kinderspiel-)Platz mit Feuerstelle gesehen.



Und da hab ich an die Zukunft von Rauth und an meine eigene Zukunft gedacht und dann wurde mir klar, was meine Bestimmung ist: Ich werde Bürgermeister von Rauth und dort eine Erbdynastie moderner Prägung installieren.


Ich hab dann sofort alles durchgedacht und bereits erste Konzepte entwickelt. Um Bürgermeister zu werden, muss ich zuerst den Status des Ortes anheben. In Zukunft sollte Rinnen ein Ortsteil von Rauth sein und nicht umgekehrt. Und wer großes erreichen will, darf nicht zimperlich sein und deshalb werde ich mit einer Dirty Campaining Initiative gegen Rinnen starten:


Zuerst lass ich "Die spinnen - in Rinnen" plakatieren und setze dann mit dem besonders fiesen Spruch nach: "Bist du aus Rinnen - bleib lieber drinnen!" Wenn das einmal zu wirken beginnt, startet der zweite Teil meines Planes - eine große Kampagne amerikanischen Zuschnitts. "Make Rauth great again" wird mir die Wählermassen in Scharen zuführen und ich setze dann mit dem hinterhältigen Spruch "Rauth's First" nach.


Ihr seht schon, dass das schon sehr konkrete Pläne sind und ich bin sehr dankbar, dass ich endlich meinen Weg gefunden hab.


Den Weg ins Tal hab ich dann tatsächlich gefunden - ein schöner und leicht anspruchsvoller Wanderweg, der bis zum Rotlech-Stausee geführt hat.



Auf der Staumauer war ziemlich viel los - da hat eine Jugendgruppe entlang der Staumauer Abseilen geübt (natürlich neben und nicht in den Fluss). Ich bin bei denen vorbei und als ich auf der anderen Seite war, ging plötzlich die Staudammsirene los.



Ich hab zwar vermutet, dass das irgendwie mit dem Abseilen zu tun hat, hab aber vorsichtshalber die Staumauer auf Risse überprüft - immerhin gehe ich ja die nächste Zeit unterhalb davon.


Das vorletzte Stück des Weges im Rotlechtal führte eher unspektakulär entlang einer Forststraße, die mich bis ins Lechtal führen sollte. Und wie ich so gehe denke ich: "Lustig da vorge schaut es aus, als würde die Straße aufhören". Ich checke noch mal auf meiner App und ja die Straße geht bis ins Lechtal.


Aber warum ist dann da plötzlich keine Straße mehr? Muss das jetzt jeden zweiten Tag passieren? Auf meine Karte kann ich auch nicht schauen, weil genau die 7km fehlen darauf. Umdrehen und woanders gehen bedeutet eine Wegverlängerung um mehrere Kilometer. Nein, es hilft nichts - ich muss durch den Wald.


Ist das vielleicht ein Weg? Nein, aber ein Bach. Ich erkläre den Bach zum Weg und mache dort eine kleine Canyoning-Tour hinunter. Natürlich löst sich jetzt auch die Not-Befestigung meines Stockes und ich muss mit einem ganzen und zwei halben Wanderstöcken weitergehen und dabei einerseits darauf achten, dass ich nicht im Schlamm des Baches versinke und dass ich andererseits zu keinen Steilstellen komme, wo es dann nicht mehr weitergeht.


Irgendwie bin ich letztendlich dann doch wieder auf einen echten Weg gestoßen und hab dort folgenden Hinweis bekommen (am Foto könnt ihr auch den kaputten Stock sehen):



Da hab ich mich wieder an die Sirene bei der Staumauer erinnert und bin daher möglichst rasch weitergegangen.


Der zweite Teil des Weges verlief dann auf verschiedensten Forst- und Wanderwegen entlang des Lechs.



Zu Beginn war ich noch in Weißenbach am Lech Mittag essen Und danach ging es mehr oder weniger in einer Tour nach Stanzach, wobei ich an zwei schönen Seen vorbei gekommen bin.



Auch Stanzach ist nicht der Hot-Spot Tirols und so werde ich mich nach dem Abendessen wieder auf mein Zimmer begeben und dort bald schlafen gehen.



Für morgen ist eine ähnlich anstrengende Etappe nach (nicht in den) Bach geplant.


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