37: Von Pertisau nach Eng

In Kürze: Erste (ausgesetzte?) Karvendeletappe mit Gerölllawine und Stockbruch.


Die Dusche in meinem Zimmer war eigentlich eine Badezimmer-Flut-Vorrichtung. Immer nach dem Duschen musste ich versuchen, das Wasser wieder zurück in die Dusche zu bringen - das ist fast wie eine Hochwasser-Übung.


Zur Sicherheit hab ich mir noch Wegbeschreibungen meiner heutigen Etappe angesehen. Die meisten haben bestätigt, dass es keine schwierigen Stellen gibt, aber der ein oder andere hat ausgesetzte Stellen erwähnt. Ausgesetzt heisst in einfachen Worten:"Do geht's echt steil auvi". Nicht unbedingt das, was ich lesen wollte.


Nach dem Frühstück (plus Käsesemmel to Go) bin ich um 8 Uhr 15 bei bewölktem und deswegen nicht zu heißem Wetter los marschiert. Der Weg geht am Anfang auf einer Nebenstraße lang ins Tal hinein und die Frage war: "Wird das heute eine Nebelpartie?"



Bei der Falzthurnalm hab ich zur Sicherheit noch einmal wegen dem Weg gefragt. Die Antwort war in etwa:"Da sind schon einige Stellen ..., aber meine Kinder sind es auch schon gegangen". Noch immer liegt da was Ambivalentes in der Luft.


Nach der nächsten Alm wurde dann aus der Forststraße ein steil bergauf führender Serpentinenweg.



Was, da muss ich rauf? Na schau ma sich das halt an. Und wie ich mich so auf den Weg konzentriere und mir überlege, wie ich mit den ausgesetzten Stellen umgehe, macht es einen ziemlich lauten Kracher. Sch..., heute sollte doch gar kein Gewitter sein. Das war auch kein Donner, wie ich bald feststelle. Da kommt Geröll den Berg runter - kurze Panik und ich versuche auf einen höheren Punkt hinter eine Latsche zu kommen (die mich sicher vor dem Geröll geschützt hätte). Ich seh aber nix. Dann hör ich auch nix mehr. Scheint vorbei zu sein. Da um mich kein Geröll ist, muss es doch etwas weiter entfernt gewesen sein, aber ich beobachte von jetzt an jeden Stein, ob er nicht abzurutschen droht.


Der höchste Punkt heute ist die Lamsenjochhütte, davor biegt der Weg auf die andere Seite des Berges ab, auf dem ich danach gehen muss. Und da seh ich sie - eine wirklich ausgesetzte Stelle. Da geh ich nicht. Zuerst einmal zur Hütte und dann muss ich mir was überlegen. Plötzlich hör ich ein metallischen Geräusch. Da liegt ein Teil eines Wanderstocks. Ich hab ja meinen noch in der Hand - aber nicht mehr den Ganzen! Da ist mir doch tatsächlich der neue Wanderstock an der Stelle, wo man ihn "falten" kann, abgebrochen. Gibts denn heute nur mehr Klumpert (ausgenommen meine Regen-Ausrüstung)?


In der Hütte stärke ich mich einmal nach dem turbulenten Aufstieg. Eigentlich wollte ich ja noch die älteren, extrem erfahrenen Hüttenwirt*innen wegen dem Weg fragen, aber es gab nur zwei junge Kellnerinnen. Wie formuliert man eine passende Frage, ohne das Gesicht zu verlieren? Da hab ich die Lösung:"Ist der Weg zur Engalm bei der heutigen Wetterlage (es hat zu regnen begonnen) gut begehbar? .... wegen der ausgesetzten Stellen?" Die Kellnerin schaut mich leicht verdutzt an: "Da sind keine ausgesetzten Stellen". Verdammt, jetzt kann ich auch nicht sagen:"Doch, ich hab sie ja schon gesehen".


Ich stecke in einem Dilemma. "Ich hätte noch gerne einen Espresso". Zeitgewinn ist jetzt angesagt. Mit dem Espresso kommt das obligate Keks:



Was soll der Spruch - gerade jetzt? Brauch ich wirklich Glück, um da heil vorbei zu kommen?


Na gut, wenn da keine ausgesetzten Stellen sind, dann geh ich einfach. Vorher hab ich noch Alternativrouten gecheckt - leider nichts. Und tatsächlich - wie ich mich der vermeintlich ausgesetzten Stelle nähere, ist der Weg erstens recht breit und zweitens ist sie gar nicht so schlimm steil. Einmal muss ich noch über ein kleines Schotterfeld, aber das war's - ich bin doch ein cooler Hund.



Auf der anderen Seite geht es recht gemütlich hinunter und da kann ich mir jetzt auf der Binsalm ein gutes Kucherl und einen Kaffee gönnen.


Gegen 16 Uhr bin ich im Quartier angekommen und habe erfreut festgestellt, dass es eine Sauna gibt. Nach dem Duschen hab ich im Zimmer vergeblich einen Bademantel gesucht, daher hab ich bei der Rezeption gefragt. Er hatte gerade keine griffbereit, darum ist er kurz weg gegangen um welche zu holen. Als er zurück kam, hatte er lauter verschiedene Stoffe und Farben in der Hand - vermutlich hat er gleich den ganzen Wäscheständer abgeräumt. Doch es waren tatsächlich lauter Bademäntel und ich nehme mir den obersten - einen gerippten.



Das Foto gibt das nicht ausreichend wieder, aber es war eher ein Negligee als ein Bademantel. Es ging mir ca. bis zur Hälfte der Badehose - ein interessanter Anblick (Selfie-mäßig konnte ich das leider nicht festhalten). So kann ich ja nicht in die Sauna gehen - kann ich doch. Die anderen müssen ja auch lustig ausschauen.


Ich schleiche mich also zur Sauna, um möglichst wenig Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Dort angekommen, wollte ich möglichst rasch in die Sauna, um das Bade-Negligee ablegen zu können. Dampfbad vertrag ich nicht, also zur Sauna. Ich will schon zur Tür greifen, als dort gerade aufgegossen wird. Dann warte ich halt noch. Der Raum ist ziemlich eng und Liegestühle sind keine frei. Ich hab doch zuerst was von einer Liegewiese gesehen:



Ich gehe also dorthin und da steht ein Hutschpferd und andere Spielsachen und der Weg nach draußen ist versperrt. Das ist jetzt also der Kinder-Spielraum und nicht mehr die Liegewiese. Dann stell ich mir folgende Szene vor:


Ich komme gerade verschwitzt aus der Sauna und gehe in voller unverhüllter Pracht oder mit Badenantel-Negligee zur Liegewiese, um mich abzukühlen. Dort treffe ich einige Kinder mit ihren Eltern im Liegewiesen-Spielraum an, die schreiend den Raum verlassen und hab dann echte Erklärungs-Schwierigkeiten für meinen doch etwas unpassenden Auftritt.


Das ist offensichtlich ein Zeichen, dass ich heute nicht in die Sauna gehen soll also lasse ich es, mach ein Sudoku, schreibe ein paar Zeilen und gehe dann Abendessen.



Morgen muss ich noch früher aufstehen, also werde ich mich relativ bald aufs Ohr hauen. Blog gibt es wahrscheinlich erst übermorgen Abend wieder, da ich morgen auf der Karvendelhütte vermutlich weder Internet noch WLAN haben werde.

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