18: Von der Mödlinger Hütte nach Ardning

Summary: Laaange Wanderung mit Schuhwechsel und Insektenüberfall.


Der erste Blick heute aus dem Fenster war ein dezentes Einheitsgrau - besondere Eile ist also nicht geboten. Also wie immer alles einschmieren, einpflastern, einpacken und frühstücken. Nebenbei höre ich noch die Hüttenwirtin mit einem Gast plaudern, dass heuer besonders viele Schlangen da sind - mein Tag ist also schon wieder gelaufen.



Kurz nach Acht geht's los Adjustiert bin ich heute mit kurzer Hose und Regenjacke - das müsste eigentlich passen. Die Betonung liegt auf "müsste", denn ich hab mich verschätzt. Da es in der Nacht stark geregnet hat, war alles ziemlich nass. Die Wege sind oft recht verwachsen und in kürzester Zeit sind Schuhe, Socken und Hose nass. Das Impregnieren der Schuhe hat offensichtlich nix gebracht und in den Schuhen hat es wieder gequatscht.


Zuerst ging der Weg mittelsteil ca. 400 Höhenmeter bergab um dann ebenso viele Höhenmeter wieder bergauf. An und für sich war er gut gekennzeichnet mit ein paar Ausnahmen. Das nächste Bild ist ein Suchbild: "Wer findet die Markierung?"



Beim ersten Zwischenziel - der Oberst Klinke Hütte - hab ich dann den schon eingeübten Sockenwechsel-Plastiksackerl-Trick angewendet, um wieder einigermaßen trocken weiter gehen zu können.


Von dort ging es dann weiter bergab. Aus einiger Entfernung konnte man schon die Geräusche von Holzarbeiten wahrnehmen. Plötzlich ist so 20 Meter neben mir ein Baum umgefallen - diesmal warst umgekehrt - tatsächliche Arbeiten ohne Absperrung der Weges.


Der Weg wurde erneut dschungelartiger und die Plastik-Sackerl-Methode begann an Wirksamkeit nachzulassen. Der mentale Fokus auf potenzielle Schlangenabwehr macht das Gehen auch nicht entspannter. Aber nach 4 1/2 Stunden erreiche ich Admont - jetzt hab ich es geschafft - nach dem Essen noch ein kleiner Spaziergang an der Enns und das Tageszeit ist erreicht.


Kurze Zwischenbemerkung: ich höre in der Gaststube im heutigen Gasthof gerade einen Landler nach dem Anderen und kann mich fast nicht mehr Konzentrieren vor lauter Landglück - irgendwie klingen die alle gleich.


In Admont hab ich im "Gasthaus zur Ennsbrücke" Mittag gegessen und danach die Schuhe gewechselt. Ich hab immer verstohlen auf die Nachbartische geblickt, aber es ist niemand in Ohnmacht gefallen.



In meiner Vorstellung hatte ich jetzt so was wie den Donauuferweg vor mir - einen asphaltierten, netten Weg entlang der Enns. Weit gefehlt - es war eher ein Dschungelpfad am Rand des Amazonas. Fairer Weise muss ich sagen, dass der Weg eigentlich wunderschön war, aber mit meinem heutigen mentalen Schlangenfokus und ca. 200 Millionen Insekten um mich herum konnte ich dessen Schönheit nicht wirklich genießen.


Gott sei Dank hab ich ja ein Insektenschutzmittel mit und ich hab ca. das halbe Fläschchen gleich einmal auf mich gesprüht. Ich glaub dass hat dann schon ein bisserl gewirkt. Der ein oder andere Insektenangriff, wurde durch Bewusstlosigkeit beim Anflug unterbrochen. Ich hatte schon die Befürchtung dass der Weg gar nicht aufhört und ich in einer Raum-/Zeit-Schleife festhänge, aber letztendlich hab ich doch Frauenberg und dann Ardning erreicht.



Vorher hab ich allerdings noch das Auenland durchquert und bei einigen Hobbit-Höhlen geklopft. Aber weder Bilbo noch Frodo noch ein anderer Hobbit waren zu Hause.



Jetzt sitz ich im Gasthof "Zum Dorfwirt" (sehr scharfsinniger Name), wo die Welt noch in Ordnung ist: Im Radio spielt es eine besonders aufdringliche Landmusik von Radio Steiermark (allein die Moderation zwischen den einzelnen Titeln könnte man kabarettistisch nicht besser verarbeiten), in der Nachbarschaft probt der Kirchenchor besonders brave Lieder und auf der Speisekarte gibt es nur Fleischgerichte.


Derart emotional gestärkt begebe Ich mich jetzt in mein Zimmer und werde noch ein bisschen über die anspruchsvollen Liedtexte nachmeditieren.



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