12: Vom Graf-Meran-Haus über die hohe Veitsch nach Seewiesen

Essenz: Schöne Almen-Wanderung durchs Schlangen-Schutzgebiet


Die Nacht im Graf-Meran-Haus war dann gar nicht spooky - im Gegenteil - ich hab schon lang nicht mehr so lange geschlafen - von 21 Uhr bis 7 Uhr 30. Zum Frühstück gab es dann Marmeladebrot und zwar nur Marmeladebrot. Das hab ich das letzte Mal vor 25 Jahren gefrühstückt, aber es war ausgezeichnet.


Da heute keine besonders schwierige Etappe am Programm stand, habe ich in der Früh noch einen Abstecher zum Gipfel der Hohen Veitsch gemacht.


Von dort begann dann der lange Abstieg Richtung Seewiesen. Die erste Etappe war der furchterregende Teufelsteig.


Der Legende nach war der Steig sogar dem Teufel zu steil. Stimmt aber nicht. In Wirklichkeit gibt es nur einen Felsen, der ausschaut wie der Teufel und darum der Name. Ich hab den Felsen zwar nicht entdeckt, bin aber auch nicht als Adlerauge bekannt.


Am Weg gibt es 4! bewirtschaftete Almen - ich war also schon auf ein kulinarisches Schlaraffenland eingestellt. Wie so oft ist die Realität dann doch etwas anders: bei der ersten Alm hab ich mich noch zurückgehalten und nur ein kleines Getränk genommen - ich will ja nicht maßlos sein. Die zweite Alm war dann zu (Montag), bei der dritten Alm hat es für mich außer einem Käsebrot nix gegeben und die Vierte war wieder zu - oft hast a Pech.


Da ich nach der zweiten Alm schon ein bisserl Hunger hatte, hab ich mich wie immer nach einem der zahlreichen Pausenmöglichkeiten umgesehen und dann kam das:


Vermutlich war das nur eine besonders einfallsreiche Idee des Waldbesitzers, um unerwünschte Besucher fern zu halten, aber ich war auf der Hut. Ich hab laut mit meinen Stöcken geklappert, so dass jede Schlange mich schon auf 100 Meter hören kann und an eine Pause am Waldrand war jetzt nicht mehr zu denken.


Nachdem ich das Killerschlangen-Gebiet hoffentlich weit hinter mir gelassen habe, hat sich der Hunger wieder gemeldet und ich hab wieder nach einer Rastmöglichkeit ausgeschaut und das gefunden:


Ich hab mir dazu mehrere Erklärungen überlegt:

Variante 1: Beim Versuch der Behörden, alle Bankerl entlang des Weges abzubauen, wurde eine vergessen und da der Abrißbescheid bereits abgelaufen war, hatte einer der kontrollierenden Beamten die Idee: "No, dann bau mas hoid zua".

Variante 2 (etwas unwahrscheinlicher): Um Schutzbereiche gegen angreifenden Killerschlangen zu bauen, wurde hier ein Sichtschutz geschaffen.

Variante 3 (am wahrscheinlichsten): die örtliche Jägerschaft hat statt einem Hochstand aus Faulheit oder Ressourcenknappheit einen Tiefstand gebaut.

Falls ihr noch weitere Ideen dazu habt, würde ich mich freuen, eure Vorschläge als Kommentar zu lesen.


Ich hab mich auf jeden Fall nicht beirren lassen und eine Pause mit Jause gemacht.


Erwähnen möchte ich auch meinen Besuch auf der dritten Hütte, der Strobl- Hütte auf der Göriacher Alm. Die schon recht betagte Hüttenwirtin ging auf zwei Krücken und hat mir dennoch ein Käsebrot zubereitet. Der einzige Gast außer mir war ein ebenfalls sehr betagter Mann, der auch eine Wanderung von der Nachbar-Alm gemacht hat. Da hab ich mir gedacht, es wäre schön wen ich im Alter auch noch diese Zuversicht und eine Aufgabe im Leben habe.


Nach der geschlossenen 4. Alm und der doch wieder recht großen Hitze hat sich das Ende der Wanderung wieder in die Länge gezogen, noch dazu, weil es noch 200 Höhenmeter bergab ging. Beim letzten Kuhgatter, die hier alle mit Stacheldraht gesichert bin ich dann mit dem Draht, der gerade mein Handy aufgeladen hat (von der Powerbank), im Stacheldraht hängen geblieben und es hat ihn mir einfach durchgetrennt.


Im Hotel Seeberghof hat mich die Wirtin gleich mit einem Glas Prosecco begrüßt und mir angeboten, die Wäsche zu waschen. Das nenne ich Gastfreundschaft. Auch das Abendessen war ausgezeichnet und ich werde mir jetzt noch das heutige Abendspiel der EM anschauen.



Es kann sein, dass mein nächster Blog-Beitrag erst am Donnerstag Abend kommt, da ich die nächsten beiden Nächte wieder in Hütten schlafe und bisher noch in keiner Hütte eine sinnvolle Internet-Verbindung zusammengebracht habe.

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